| "Man muss das Wasser richtig lesen können" Gregor Simon fährt seit über 20 Jahren Wildwasser-Kanu - Den nationalen Titelkämpfen folgt die WM - Er berichtet über seinen Sport und die Chancen in dieser Renn-Saison Beuel. Er ist einer der erfolgreichsten Kanusportler - und das nicht nur national, sondern auch international. An diesem Wochenende startet er bei den Deutschen Meisterschaften, danach fährt er weiter nach Italien, wo er zum neunten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Mit Gregor Simon sprach Robert Hannes. In seinem Element: Gregor Simon (vorne) mit seinem Partner Thomas Haas. Foto: privat Klasse: Seit vielen Jahren fahren Sie an der Spitze der deutschen Kanuten, welche Disziplin betreiben Sie genau? Simon: Ich betreibe Wildwasser-Rennsport und fahre mit meinem Partner Thomas Haas in der Disziplin Zweier-Kanadier. Klasse: Worum geht es da? Simon: Wir müssen im Rennen eine bestimmte Wildwasser-Strecke möglichst schnell durchfahren. Dabei hat jede Strecke ihre Besonderheiten zum Beispiel Felsen und Stromschnellen. Klasse: Ist Wildwasser-Kanu eine Sportart, die eigentlich viele Zuschauer anzieht? Simon: Ja und nein. Das Problem ist zum Teil, dass viele Strecken zu abseits gelegen oder auch zu lang sind. Man arbeitet jetzt aber daran, dass die Strecken kürzer werden, damit der Sport attraktiver für die Zuschauer wird. Neuerdings werden sogenannte Sprint-Wettkämpfe veranstaltet, die eher Zuschauer anlocken. Klasse: Welche Disziplinen außer dem Zweier-Kanadier gibt es noch im Kanusport? Simon: Neben dem Zweier- gibt es noch den Einer-Kanadier und den Einer-Kajak. Klasse: Was ist der Unterschied zwischen Kanadier und Kajak? Simon: Der Kanadier wird mit einem Stechpaddel gefahren, hingegen der Kajak-Sportler sein Boot mit einem Doppelpaddel fortbewegt. Klasse: Für welchen Verein fahren Sie, und wie sind Sie zu dem Sport gekommen? Simon: Ich fahre seit 1977 für Blau-Weiß Bonn. Ich bin über meinen Klassenkameraden Stefan Eich, mit dem ich noch bis 1997 erfolgreich Zweier gefahren bin, zu diesem Sport gekommen. Ursprünglich habe ich mal bei der Bonner Rudergesellschaft gerudert. Klasse: Was fasziniert Sie so am Kanu? Simon: Der Sport ist sehr vielseitig. Man übt ihn zudem überwiegend in freier Natur aus. Man muss sich immer wieder auf andere Gegebenheiten einstellen, da jeder Fluss auch seinen ganz eigenen Charakter hat. Klasse: Sie sagen immer, dass man das Wasser richtig lesen können muss, was heißt das? Simon: Das bedeutet, man muss rechtzeitig erkennen können, wo beispielsweise Felsen versteckt unter der Wasseroberfläche liegen. Für viele Sportler bedeutet es auch ein Problem, im Wasser die schnellste Fahrroute zu finden. Auch die muss man erkennen können, denn das allein kann schon rennentscheidend sein. Klasse: Wie sind Sie eigentlich zu Ihrer Disziplin dem Zweier-Kanadier gekommen? Simon: Der Zweier-Kanadier ist eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart. Beide Fahrer müssen ein überdurchschnittlich hohes Maß an Balance-Gefühl mitbringen, um das etwa fünf Meter lange Boot durch die Wildwasser-Passagen zu manövrieren. Außerdem stellt es für mich einen besonderen Reiz dar, in einem Teamboot zu fahren, da kommt es zusätzlich sehr auf die Zusammenarbeit an. Ein Zweier ist nur schnell, wenn beide Partner miteinander harmonieren. Klasse: Wie sieht Ihr Training aus, vor allem im Hinblick auf die Meisterschaften? Simon: Täglich absolviere ich zwei Trainingseinheiten. Davon spielt sich der Hauptteil auf dem Wasser ab. Darüber hinaus laufe ich mehrmals in der Woche oder fahre Fahrrad und bin auch viel mit Inlinern unterwegs. Insgesamt brauche ich pro Tag vier Stunden Zeit für mein Training. Klasse: Sie sind Polizei-Kommissar und arbeiten in Bonn beim Personenschutz. Wie steht Ihr Arbeitgeber zu Ihrem Trainingseinsatz? Simon: Ich werde von meinem Arbeitgeber sehr unterstützt. Ich darf neben meinem Dienst einen Teil meines täglichen Trainings absolvieren. Sonst würde ich das notwendige Pensum zeitlich nicht schaffen. Für die wichtigen Wettkämpfe, wie zum Beispiel jetzt für die Weltmeisterschaft und den sich daran anschließenden Weltcup, bekomme ich dann sogar Sonderurlaub. Klasse: Könnte man vom Kanu-Sport leben? Simon: Nein, das könnte man nicht. Wir werden zwar von der Deutschen Sporthilfe unterstützt, aber das reicht gerade nur für den Kauf einiger Materialien. Klasse: Und Ihr Verein? Übernimmt der Kosten wie Verpflegung und Unterkunft bei den Wettkämpfen oder in den Trainingslagern? Simon: Den größten Teil der Kosten müssen die Sportler selbst tragen. Über den Anteil des Vereins wird immer wieder neu diskutiert. Es gibt Vereine, die ihre Leistungsträger finanziell stärker unterstützen. Allein die Qualifikation für die Weltmeisterschaft hat die vier Teilnehmer von Blau-Weiß Bonn jeweils mindestens 500 Euro gekostet. Und es ist noch nicht abzusehen, was uns diese Renn-Saison noch alles kosten wird. Klasse: Welche Titel haben Sie in ihrer langen Kanu-Karriere bisher eingefahren? Simon: Ich bin acht Mal Deutscher Meister geworden. Weltmeister bin ich insgesamt fünf Mal geworden. Davon einmal in der Einzelwertung des Zweier-Kanadiers und vier Mal mit der Mannschaft. 2000 haben Thomas Haas und ich den Gesamt-Weltcup gewonnen. Der größte Erfolg für mich war aber sicherlich der Weltmeistertitel 1998 im Zweier-Kandier mit Peter Müller in Garmisch-Partenkirchen. Klasse: Wie sehen Sie Ihre Chancen für die Weltmeisterschaft auf der Sesia in Varallo/Italien? Simon: Wir haben sehr viel trainiert. Auch die äußeren Umstände haben gestimmt, das heißt mein Arbeitgeber und natürlich vor allem auch meine Familie haben mich sehr unterstützt. Trotzdem ist die Saison bislang für uns nicht so glücklich verlaufen. Wir hoffen aber auf die Weltmeisterschaft und die anschließenden Weltcup-Rennen. Ernst-Kalkuhl-Gymnasium, Oberkassel, Klasse 8a |