Als voller
Erfolg kann die verspätete Jubiläums-Tour
des Vereins nach Müden an der Mosel bezeichnet
werden. Viele Grüppchen waren am Freitag angereist,
um nach einem ereignisreichen Wochenende als ein
Verein wieder nach Hause zu fahren. Nach langer Planung
war es am Freitag, dem 23.06.06 endlich soweit. Den
Ferienbeginn beim Reiseantritt noch immer im Hinterkopf,
machte sich der Blau-Weiss-Tross wie in alten Zeiten
Richtung Mosel auf. Quartier war in Gasthöfen,
Pensionen, Wohnwagen und Zelten für jeden Geschmack
vorbereitet. Nachdem im Laufe des späten Nachmittags
alle 78 Teilnehmer eingetrudelt waren, entwickelten
sich mit dem Hotel Sewenig und dem Zeltplatz an
der Turnhalle schnell zwei Vereinszentren. Dazwischen
herrschte stets ein reger Transitverkehr.
Mit einer Weinprobe bei Sewenigs und einem Grillabend
am Zeltplatz hatte man entweder die Qual der Wahl,
oder musste eben gut zu Fuß sein. Bei sommerlichen
Temperaturen konnte ein Jeder alte, lange nicht mehr
gesehene Bekannte treffen, oder die Gelegenheit nutzen,
sich mit den neuen Gesichtern anzufreunden. So verging
g der erste Abend schon wie im Flug und es soll auch
die ein oder andere frühe Morgenstunde noch
zur Pflege gesellschaftlicher Kontakte genutzt worden
sein.
Trotz der vorabendlichen Schwerstarbeit standen
alle am Samstag zu den sportlichen Aktivitäten
bereit. Alternativ zu der Paddeltour stand auch eine
Wanderung zur Auswahl. Es herrschte ein reger Andrang
an den Fahrzeugen und da beim Blau-Weiss kein Bus
voll genug sein kann, kamen auch alle an der geplanten
Einstiegsstelle an. In drei Zehnercanadiern, diversen
Zweiern und einigen Einern waren 64 Mitglieder auf
dem Wasser. Eine solche Zahl hatten wir lange nicht
mehr erreicht. Außer Ingo, der sich tapfer
in seinem Wackelboot die Mosel herabzitterte, gelangten
auch die Erstpaddler mit dem Rest des Vereins entspannt
und nach schöner Fahrt unter heißer Sonne
das Ziel in Müden. Über eine kleine Panne
in der Schleuse hüllen wir gnädig den Mantel
des Schweigens. Wer baut auch so ein blödes
Podest ans Ende einer Schleuse! Die Wanderer waren
auch genug gewandert und die Vereinsfamilie traf
sich dann frisch geduscht zum Länderspiel. Die
blaue Vereinskleidung war dem schwartz, rot, gold
der Fußball-Nationalmannschaft gewichen und
es wurde mit dem letzten Rest an Kondition Poldi
und Co. zum verdienten Sieg gebrüllt.
Beim gemeinsamen Abendessen brachten wir zwar den
nötigen Kohldampf mit, aber die sewenigsche
Küche hatte nicht ihren besten Tag, oder wir
waren von Tempo und Qualität in der heimischen
Kajüte und den Grillmeistern vom Vortag einfach
zu sehr verwöhnt. Es sollen aber trotzdem alle
satt geworden sein und der Abend hatte ja erst angefangen.
Hier entpuppte sich der Verein wieder als vielseitiges
Unterhaltungsunternehmen an allen Standorten. Ob
beim Austesten des Weinkellers bei Sewenigs, oder
dem Vergleich mit dem guten Aldi-Roten auf dem Zeltplatz
blieb keine Kehle trocken. Als unverwüstlich
zeigte sich die hoffnungsvolle Vereinsjugend, deren
Mitternachts-Fußball-Match nur unter Protest
von schon müde gewordenen Vätern aufgelöst
wurde. An Schlaf war jedoch noch nicht überall
zu denken, weil sich zu später Stunde der lange
verloren geglaubte Blau-Weiss-Gesangsverein wiedergefunden
hatte. Von diesem wurde unter der Linde, die eigentlich
ein Nussbaum war, nicht schön, aber mit unglaublicher
Hingabe dem deutschen Liedgut noch mal eine Sternstunde
verschafft.
Wer nun geglaubt hat, daß unser Abendprogramm
dem Aktionismus der Mitglieder geschadet hatte, sah
sich bitter enttäuscht. Auch die sangesfreudigsten
Nachtigallen saßen pünktlich beim Frühstück
und schmierten die goldenen Kehlchen mit kräftigem
Kaffee und frischen Brötchen. Dann tauchten
im Morgennebel die ersten Gestalten bei den am Ufer
zurückgelassenen Booten auf. Es wurden immer
mehr und nachdem eine energische Oma Unkelbach die
letzten Trödler vom Zeltplatz geholt hatte,
war man wieder mit einer ganzen Flotte unterwegs.
Die Anfänger vom Vortag entpuppten sich als
hungrige Kilometerfresser, denen keine Schlagzahl
zu hoch und kein Tempo zu schnell war. Der Himmel
wollte uns und unsere Laune nun doch einmal testen
und schickte einen Schauer über uns hernieder.
Doch auch diese Art Flüssigkeit konnte der Fahrt
und unserer Stimmung keinen Abbruch tun und so ging
das Wetter nach einem kurzen Intermezzo wieder zum
obligatorischem Sonnenschein über. Nach zügiger
Fahrt kamen wir viel zu schnell nach Hatzenport ins
Ziel. Hier wollte eigentlich keiner so richtig wahrhaben,
daß es vorbei war. So wurde dann noch etwas
geschwommen, eskimotiert, die Damen sorgten für
etwas Hautbräune und auch ein paar Kneipen boten
Schutz vor der zurückgekehrten prallen Sonne.
Der Mann mit der Trillerpfeife, nach der an diesem
Wochenende nun wirklich alle getanzt sind, rief zum
Bootsladen und nun war es wirklich fast schon vorbei,
unser Jubiläums-Wochenende.
Nach der Rückkehr nach Müden sahen die
letzten Verbliebenen auf der Terrasse des Hotels
Sewenig die Autos und Anhänger mit der Bootslast
davonfahren. Jetzt war es wirklich vorbei. Aber für
alle die dabei gewesen sind, wird dieses Wochenende
sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben. Dafür
dankt der Verfasser im Namen aller Teilnehmer den
Nimmermüden Organisatorinnen. Das war eine Vereinsfahrt
in der guten alten Tradition des Blau-Weiss Bonn,
die sicher in ein paar Jahre noch immer Gesprächsthema
sein wird: "Weeste noch dohmols in Müden…"
Achim Unkelbach